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Konferenz gegen Atomwaffen solidarisiert sich mit den Marshallinseln

Von Julia Rainer

Wien (IPS) – Im Vorfeld der Konferenz über die humanitären Folgen von Atomwaffen vom 8. bis 9. Dezember haben Friedensaktivisten aus aller Welt auf einem zivilgesellschaftlichen Forum in der australischen Hauptstadt den Marshallinseln im Zusammenhang mit einer Klage gegen die USA und acht weitere Atomwaffenstaaten vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ihre Unterstützung zugesagt.

In dem Verfahren geht es um insgesamt 60 Atomtests, die von 1946 bis 1958 in dem pazifischen Inselstaat durchgeführt wurden. Ausschlaggebend für die Wahl des Archipels als Testgelände war nicht nur die geographische Abgeschiedenheit, sondern auch die damalige Zugehörigkeit der Atolle zum Treuhandgebiet Pazifische Inseln der USA. Die Marshallinseln erlangten erst 1979 ihre Unabhängigkeit und ihre vollständige Souveränität im Jahre 1986.

Die Bevölkerung der Marshallinseln war über die Atomtestpläne nicht informiert geschweige denn um ihre Zustimmung gebeten worden. Über einen langen Zeitraum hinweg waren sie sich gar nicht der Gefahren bewusst, die mit den Atomtests einhergingen. Die Auswirkungen waren verheerend: Inselbewohner wurden umgesiedelt, und Missbildungen und Krebserkrankungen häuften sich. Einige Inseln wurden so stark verstrahlt, dass es Jahrtausende dauern wird, bis sie wieder bewohnbar sind. Dennoch bestritten die verantwortlichen Länder die Gefahren und verweigerten eine angemessene gesundheitliche Versorgung der Strahlenopfer.

Der erste nukleare Kernwaffentest, der erste einer Serie, die vor allem auf dem Bikini-Atoll durchgeführt wurde, war um das 1.000-fache stärker als die Bombe, die 1945 über Hiroshima abgeworfen worden war.

Vorstoß für eine atomwaffenfreie Welt

Die Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag sei als ein Vorstoß gedacht, für eine atomwaffenfreie Welt einzutreten, meinte der Außenminister der Marshallinseln, Tony de Brum. Seiner Regierung gehe es nicht darum, Entschädigungen einzuklagen. Die USA hätten bereits Millionen Dollar gezahlt. Vielmehr wolle man diejenigen Staaten zur Rechenschaft ziehen, die gegen den Atomwaffensperrvertrag und gegen internationales Gewohnheitsrecht verstießen.

Der Atomwaffensperrvertrag, seit 1970 in Kraft, verpflichtet die Atomwaffenstaaten zu atomarer Abrüstung und einem ausschließlich friedlichen Zwecken dienenden Einsatz von Atomenergie. Die offiziellen Atomwaffenstaaten sind die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China, die inoffiziellen Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel.

Obwohl seit dem Ende des Kalten Krieges zu einem gewissen Grad nuklear abgerüstet wurde, verfügen die neun Atomnächte noch immer über rund 17.000 nukleare Sprengköpfe. Für ihre Atomstreitkräfte geben sie jährlich 100 Milliarden Dollar aus.

Das Verfahren der Marshallinseln gegen die Atomwaffenstaaten hat als 'David gegen Goliath'-Fall international für Aufmerksamkeit gesorgt. Ein prominenter Unterstützer ist der Vorsitzende der 'Nuclear Age Peace Foundation' (NAPF), David Krieger.

"Die Marshallinseln sind ein kleines mutiges Land, das sich weder einschüchtern lässt noch aufgibt. Es weiß genau, worum es geht, und kämpft im Gerichtssaal um das Überleben der Menschheit. Die Menschen auf den Marshallinseln verdienen unsere volle Unterstützung und Anerkennung. Immerhin tragen sie ihren Kampf vor dem US-Bundesgericht und dem Internationalen Gerichtshof, der höchsten Instanz, aus."

Starke Rückendeckung für die Sache der Marshallinseln kommt auch von 'Soka Gakkai International' (SGI), einer buddhistischen Organisation, die für Frieden, Kultur und Bildung eintritt und ein Netzwerk aus zwölf Millionen Menschen in aller Welt geknüpft hat. Die SGI-Jugendbewegung hat eine Petition gegen Atomwaffen eingereicht. Sie konnte japanweit fünf Millionen Unterschriften für eine atomwaffenfreie Welt zusammenbringen.

Marshallinseln bitten um Unterstützung

Angespornt wird die Kampagne gegen Atomwaffen durch den Umstand, dass es 2015 70 Jahre her sein wird, dass die USA über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen haben, und dass ebenfalls im nächsten Jahr die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags stattfindet.

An die Teilnehmer des zivilgesellschaftlichen Forums richtete Tony de Brum den Appell, den Fall der Marshallinseln zu unterstützen. "Über einen langen Zeitraum war unsere Stimme nicht laut genug, um von der Welt gehört zu werden. Dass, was uns zugestoßen ist, soll niemandem sonst mehr zustoßen."

Als sich die Gelegenheit für die Klage geboten habe, "um den Wahnsinn von Atomwaffen zu stoppen", hätten sich die Marshallinseln zu diesem Schritt entschlossen. "Wenn nicht wir, wer sonst?" und "Wenn nicht jetzt, wann dann?", hieß es in der Klageschrift.

De Brum zufolge hatten viele versucht, sein Land von der Klage abzubringen. Entweder wurde argumentiert, die Marshallinseln drohten sich lächerlich zu machen oder aber erklärt, dass es sinnlos sei, als 70.000 Einwohner zählender Kleinstaat gegen das mächtigste Land der Welt anzutreten. "Bei uns gibt es niemanden, der nicht die Folgen der damaligen Atomtestversuche spürt. Und weil das so ist, fühlen wir uns dazu berufen, das zu tun, was wir tun."

Auch die dritte Konferenz einer Serie über die humanitären Folgen von Atomwaffen, die vom 8. bis 9. Dezember in Wien stattfand, war darauf aus, mit der Schilderung der verheerenden menschlichen Auswirkungen einer noch so kleinen - absichtlich oder unabsichtlich herbeigeführten – nuklearen Detonation die Welt zum Umdenken zu bewegen. Hatten die USA und Großbritannien auf den Treffen im norwegischen Oslo im März 2013 und im mexikanischen Nayarit im Februar gefehlt, wurde ihre Anwesenheit in Wien als vielversprechende Geste und als positives Zeichen gewertet. [Deutsche Bearbeitung | Karina Böckmann | IPS Deutscher Dienst 9. Dezember 2014]

Bild: http://cdn.ipsnews.net/Library/2014/12/Mushroom-cloud-over-Bikini-Atoll-in-the-Marshall-Islands-from-Castle-Bravo-the-largest-nuclear-test-ever-conducted-by-the-United-States-629x472.jpg
Der erste Atompilz über dem Bikini-Atoll – Bild: US-Energiebehörde [Public domain] via Wikimedia Commons

http://cdn.ipsnews.net/Library/2014/12/10403843_1015897131760539_824708451876597741_o.jpg
Tony de Brum, Außenminister der Marshallinseln, mit der ICAN-Kampagnenkoordinatorin Daniela Varano – Bild: ICAN

Originalbeitrag <> http://www.ipsnews.net/2014/12/civil-society-support-for-marshall-islands-against-nuclear-weapons/