Kennedy-Tochter trägt Friedensfackel nach Japan

Photo: Caroline Kennedy | Credit: U.S. State Dept.Von Taro Ichikawa

Tokio (IDN) - Caroline Kennedy war 20 Jahre alt, als sie ihren Onkel, den früheren US-Senator Edward Kennedy, nach Hiroshima begleitete. Damals besuchte sie auch das dortige Friedensmuseum, das an die katastrophalen Folgen des US-Atombombenangriffs erinnert, der am 6. August 1945 140.000 Japanern das Leben kostete.

Der Besuch habe sie zutiefst aufgewühlt, sagte die Diplomatin bei einer Anhörung vor dem US-Senat im September bei der Bestätigung ihrer Ernennung zur US-Botschafterin für Japan. Und vor ihrem Amtsantritt am 12. November erklärte sie in einer Videobotschaft an die Japaner, dass sie seit dem Hiroshima-Besuch vor 36 Jahren von dem Wunsch beseelt sei, "für eine bessere und friedlichere Welt zu arbeiten".

Caroline Kennedy, die einzige überlebende Tochter des vor rund 50 Jahren ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, war keinen Monat in Japan im Amt, als sie nach Nagasaki reiste, der Stadt, über der die Vereinigten Staaten am 9. August 1945 ihre zweite Atombombe abwarfen.

Botschafterin Kennedy folgte damit einer Einladung der Stadtväter, an einer Zeremonie im städtischen Friedenspark teilzunehmen, bei der ein Blüten-Hartriegel als Zeichen der US-japanischen Freundschaft gepflanzt wurde. Der Baum ist einer von Tausenden US-Bäumen, die dort stehen, um an Tod von 73.000 Menschen – ein Drittel der damaligen Stadtbevölkerung – zu erinnern. Weitere 75.000 Menschen wurden damals verletzt und hunderttausende radioaktiv verseucht.

"Der Besuch berührt mich zutiefst und weckt Erinnerungen", sagte Caroline Kennedy während der Feierlichkeiten im Friedenspark. "Präsident Kennedy war sehr stolz darauf, den Prozess der atomaren Abrüstung angeschoben zu haben, und meine gesamte Familie steht voll und ganz dahinter." Auch Präsident Obama arbeite hart daran, in dieser Frage Erfolge zu erzielen, fügte sie hinzu.

Kennedy: "Mein Vater war um die US-japanische Freundschaft bemüht"

Am 27. November hatte die Diplomatin auf einem Treffen der US-amerikanischen Handelskammer und der Amerikanisch-Japanischen Gesellschaft in Tokio erklärt, dass sich ihr Vater um die US-japanische Freundschaft bemüht habe. "Meine Mutter hat oft von seinem Wunsch gesprochen, als erster amtierender US-Präsident Japan zu besuchen."

Als Kind habe es großen Eindruck auf sie gemacht, dass, obwohl der Raketenträger ihres Vaters, den die USA im Zweiten Weltkrieg eingesetzt hatten, von einem japanischen Zerstörer vernichtet worden war, ihr Vater nur 15 Jahre später stolz darauf gewesen sei, den japanischen Kommandeur zu seiner Amtseinführung einzuladen. Die Vorstellung, die Mannschaften der beiden Schiffe bei seinem nächsten Japan-Besuch zusammenzuführen, habe ihn in freudige Erregung versetzt.

"Das ist eine großartige Parabel für unsere langjährigen Beziehungen. Sie erinnert uns daran, dass wir uns auf das konzentrieren sollten, was uns verbindet und nicht auf das, was uns trennt, und dass wir nicht zurück sondern vorwärts blicken müssen, um eine bessere Welt zu schaffen", erklärte Kennedy.

Überlebende der Atombombenangriffe, die sogenannten 'Hibakusha', und Friedensaktivisten haben bereits mehrmals betont, wie wichtig es wäre, dass ein US-Präsident die beiden japanischen Städte besuchen würde, die bis heute unter den Folgen der Atomwaffenangriffe leiden. "Wir hoffen, dass Präsident Obama unserem Aufruf nachkommen wird", sagte ein Friedensaktivist.

Botschafterin Kennedy hatte das Atombombenmuseum von Nagasaki in Begleitung des Botschafters Tomihisa Taue, des ehemaligen Universitätspräsidenten von Nagasaki, Hideo Tsuchiyama, und des Direktors des Rot-Kreuz-Genbaku-Krankenhauses, Masao Tomonaga, besucht. Berichten zufolge erklärte sie gegenüber Journalisten, dass sie die atomare Abrüstung für eine Notwendigkeit halte.

Kennedy hatte auch die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Urakami-Kathedrale besucht. Im Friedenspark legte sie Blumen vor der Friedensstatue nieder, die der Atombombenopfer gedenkt und die Hoffnung auf ewigen Frieden symbolisiert.

Nach Angaben der Nagasaki-Präfekturregierung ist Caroline Kennedy die fünfte US-Botschafterin, die Nagasaki besucht hat. Ihr Amtsvorgänger John Roos hatte als erster US-Diplomat an den Friedenszeremonien sowohl in Hiroshima als auch in Nagasaki teilgenommen.

Bürgermeister Taue hatte am 9. August 2013 einen Friedensappell herausgegeben. Darin erinnerte er daran, dass die Atomwaffenstaaten unter dem derzeitigen Atomwaffensperrvertrag (NPT) zu ernsthaften Abrüstungsanstrengungen verpflichtet sind. Dieses Versprechen hätten sie der ganzen Welt gegeben.

Im April 2009 hatte US-Präsident Barack Obama seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. In Berlin erklärte er, sich weiter für eine Verkleinerung der weltweiten Kernwaffenarsenale einzusetzen. Nagasaki unterstützt den Vorstoß des US-Präsidenten. "Solange es Atomwaffen gibt, sind wir nicht wirklich sicher", heißt es in dem Appell.

Mehr als 17.000 atomare Sprengköpfe weltweit

Taue bedauerte, dass die Welt noch immer von mehr als 17.000 atomaren Sprengköpfen bedroht wird, von denen sich 90 Prozent in den Arsenalen der USA und von Russland befinden. "Präsident Obama, Präsident Putin, bitte verpflichten Sie ihre Länder zu einem drastischen Abbau Ihrer Atomwaffen. Anstatt eine atomwaffenfreie Welt als einen fernen Traum zu betrachten, müssen wir uns rasch dazu entschließen, dieses Problem anzugehen, indem wir auf die Abschaffung dieser Waffen hinarbeiten und damit das der Welt gemachte Versprechen einlösen."

Nagasaki war vom 2. bis 4. November Gastgeber der Fünften Versammlung der Globalen Bürger von Nagasaki für die Abschaffung von Atomwaffen. Seit dem Jahr 2000 wird alle paar Jahre eine solche Versammlung durchgeführt.

An der Versammlung hatten auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wissenschaftler aus Japan und dem Ausland teilgenommen. Sie hörten sich an, was die Hibakusha zu sagen hatten, die die Abschaffung der Atomwaffen gern noch erleben würden. Sie hörten den jungen Menschen zu, die sich für eine atomwaffenfreie Welt engagieren.

Eminenter Teilnehmer und Sprecher, der an allen vorangegangenen Veranstaltungen teilgenommen hatte, war David Krieger. Der Vorsitzende der 'Nuclear Age Peace Foundation' hat an der Formulierung aller Nagasaki-Appelle mitgewirkt.

Als ein Highlight des Appells bezeichnete Krieger die Forderung konkreter Schritte wie den Beginn von Verhandlungen über ein Verbot und die Abschaffung von Atomwaffen, der Aufnahme unilateraler Abrüstungsmaßnahmen von Seiten der USA und Russlands, die Absage an eine auf Kernwaffen fußende Sicherheitspolitik, einer größeren Bürgerbeteiligung an den Kampagnen für atomare Abrüstung, der Einrichtung weiterer atomwaffenfreier Zonen, der Unterstützung der Fukushima-Opfer und der Zustimmung, dass die Menschheit nicht länger auf Atomenergie bauen sollte.

Atomwaffenfreie Zone Nordostasien

Der Appell beinhaltet auch eine Empfehlung an die japanische Regierung, aus der besonderen Verantwortung als einziges Land, dass je von Atomwaffen getroffen worden sei, aus dem US-Nuklearschirm auszusteigen, die Führung in dem Bemühen um eine atomwaffenfreie Welt zu übernehmen und internationale Hilfe zu mobilisieren, um die radiologische Krise in Fukushima zu schultern.

Der Appell wies ferner darauf hin, dass 532 japanische Lokalbehörden dem Projekt einer atomwaffenfreien Zone Nordostasiens ihre Unterstützung zugesagt haben, wie dies schon 83 japanische und südkoreanische Abgeordnete aller politischen Spektren in einem gemeinsamen Statement vom 22. Juli 2010 getan hatten. Im September 2013 zeigte sich der Präsident der Mongolei bereit, bei der UN-Vollversammlung die Möglichkeiten für eine atomwaffenfreie Zone auszuloten.

Um Führungsstärke zu zeigen, sollte Japan dem Appell zufolge die Gelegenheit nutzen, die das für April 2014 in Hiroshima geplante Ministertreffen der Initiative für Nichtverbreitung und Abrüstung (NPDI) darstellt. Japan sollte zudem die politischen Führer und Regierungsvertreter, die an dem G20-Gipfel in Japan 2016 teilnehmen, dazu auffordern, Hiroshima und Nagasaki zu besuchen.

Weiter forderten Teilnehmer der Versammlung der globalen Bürger alle nur möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen. "Nagasaki muss die letzte Stadt bleiben, die mit Atomwaffen bombardiert wurde", so Krieger. Das sei ein für die Menschheit und die Zukunft dringend zu erreichendes Ziel und eine große Herausforderung. Nagasaki werde seinen Teil übernehmen und die Richtung vorzugeben. "Sie brauchen unsere Stimmen und unsere Entschlossenheit, den Weg des Erfolges zu gehen."

Da jeder Wandel ein hohes Maß an Arbeit und Beharrlichkeit erfordere, wie Botschafterin Kennedy erklärte, fehle noch viel, um John F. Kennedys Friedens- und Abrüstungswünsche zu erfüllen. Derzeit wird die Welt von 17.300 atomaren Sprengköpfen bedroht, die das Zerstörungspotenzial haben, die menschliche Zivilisation und den größten Teil der Erde gleich mehrfach zu vernichten, heißt es in dem Appell von Nagasaki. [Deutsche Bearbeitung | Karina Böckmann | IPS Deutscher Dienst | 16. Dezember 2013]

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Caroline Kennedy – Quelle: US-Außenministerium