'Nie wieder Krieg'-Konferenz fordert Friedenserziehung

Von Narin B. Stassis

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der internationalen Organisation CTAUN, die sich für die Verbreitung und Umsetzung der UN-Bildungsziele einsetzt. Stassis, ehemalige Leiterin der CTAUN-Abteilung 'Schulische Curricula und Unterricht', studierte an der Lesley-Universität in Cambridge im US-amerikanischen Massachusetts und schloss dort mit einem Master in Internationaler Bildung ab.

NEW YORK (IDN) – Hinter der Gründung der Vereinten Nationen stand die Entschlossenheit, nachfolgenden Generationen weitere Kriege zu ersparen. Eine Konferenz der Organisation CTAUN zum 75-jährigen Bestehen der Weltorganisation forderte in diesem Sinne eine umfassende Friedenserziehung.

An dem Treffen Ende Februar im Sitzungsraum des UN-Treuhandrats in New York nahmen mehr als 650 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und II sowie aktive und ehemalige Lehrkräfte und andere Interessierte teil. Auf dem Programm standen Gespräche, Podiumsdiskussionen, Auszeichnungen und Kurzfilme rund um das Thema "Nie wieder Krieg!".

Botschafter Cho, Ständiger Vertreter der Republik Korea, ging auf die koreanische Geschichte und insbesondere die Schrecken des Krieges ein, der in den 1950er Jahren auf der Halbinsel geführt wurde. Der bewaffnete Konflikt verursachte die Teilung Koreas, durch die wiederum zahlreiche Familien auseinandergerissen wurden. Die schrecklichen Erfahrungen habe die Republik Korea zu den stärksten Friedensbefürwortern gemacht, so Cho. 

Die Konferenz beschäftigte sich unter anderem mit den Voraussetzungen für “Nie wieder Krieg!” Gefragt sei eine Bildung, die die globale Gesellschaft mit Verständnis, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und Wissen ausstatte, hieß es. Tony Jenkins, Koordinator der Globalen Kampagne für Friedenserziehung, trat für eine Umgestaltung des gesamten Bildungswesens ein, um die vorherrschende Gewaltkultur zu besiegen.

“Vor Waffen strotzende Welt”

Auch George Lopez, emeritierter Professor am Kroc-Institut für internationale Friedensforschung der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, unterstrich die Bedeutung, die einer umfassenden Friedenserziehung “in einer Welt zukommt, “die vor Waffen konventioneller und nuklearer Art nur so strotzt".

Randy Rydell von den “Bürgermeistern für den Frieden” schilderte die verheerenden Auswirkungen eines Atomwaffeneinsatzes. Es würden Strahlen- und Genschäden sowie Temperaturen erzeugt, wie sie an der Sonnenoberfläche vorherrschten. Die damit einhergehenden klimatischen Veränderungen hätten Hungersnöte zur Folge.

Auf der Veranstaltung wurde auch die rasante Entwicklung neuer Technologien der modernen Kriegsführung thematisiert. Laut Michael Klare von der Waffenkontrollorganisation 'Arms Control Association' steht zu befürchten, dass Generäle und politische Entscheidungsträger die neuen Technologien in den Dienst des Krieges stellen, ohne die moralischen und ethischen Auswirkungen ihrer Entscheidung zu bedenken.

Auf einer Seitenveranstaltung der Konferenz diskutierten Friedensaktivistinnen den Beitrag von Frauen für den Frieden. “Frieden und Sicherheit lassen sich nicht auf UN-Korridoren erreichen”, sagte die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee. Um künftige Generationen vor Kriege zu schützen, sei konkretes Handeln erforderlich.

Auszeichnung für Cora Weiss

In diesem Sinne ging der diesjährige “CTAUN Global Citizen Award” an die Mitverfasserin der UN-Resolution 1325, Cora Weiss. Im Jahr 2000 einstimmig vom UN-Sicherheitsrat angenommen, zielt die Resolution auf eine stärkere Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der institutionellen Verhütung, Bewältigung und Beilegung bewaffneter Konflikte und den besonderen Schutz von Mädchen und Frauen vor sexueller und anderer Gewalt.

Weiss wurde in diesem Jahr zum fünften Mal für den Friedensnobelpreis nominiert. “Sie ist unsere geborene Anführerin", erklärte die Frauenrechtlerin und Journalistin Carol Jenkins.

Die Journalistin Gloria Steinem verglich den Frieden mit einem Baum: “Er wächst nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben.” Es sei wichtig, die Vereinten Nationen zu achten und zu drängen. „Doch sollten wir nicht auf sie warten, sondern selbst aktiv werden“, meinte sie. 

Gleichzeitig wies Steinem darauf hin, dass es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr Männer als Frauen auf dem "Raumschiff Erde" gebe. Verantwortlich dafür machte sie Gesellschaften, die die Dominanz von Männern und in manchen Fällen Gewalt gegen Frauen befürworteten.

„Wir sollten uns die Fähigkeit aneignen, ebenso lange zuzuhören wie zu reden, mehr an ein Miteinander als in Hierarchien zu denken und die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass wir aus unserem Anderssein und nicht aus unserem Gleichsein lernen“, fügte sie hinzu. 

Ramu Damodaran von der UN-Bildungsorganisation 'Academic Impact Initiative', erinnerte in seinem Beitrag an das Plakat “Nie wieder Krieg!” der deutschen Künstlerin Käthe Kollwitz und stellte die Frage: "Woher nehmen die 193 Mitgliedsstaaten unserer Organisation den Mut, ihre mit Liebe großgezogenen Töchter und Söhne in den Krieg zu schicken?”

"Die Menschheit hat die Sklaverei (im Wesentlichen) abgeschafft. Die Menschheit hat den Kolonialismus abgeschafft. Die Menschheit hat die Apartheid abgeschafft. Die Menschheit hat das Stimmverbot für Frauen abgeschafft”, fasste Cora Weiss zum Abschluss der Konferenz zusammen. “Warum also nicht den Krieg abschaffen?" [IDN-InDepthNews - 12. März 2020]

Bild: die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee, die Frauenaktivistin Gloria Steinem und die Journalistin Carol Jenkins